AVEDON
24. November 2008 | Von admin | Kategorie: FotografieManchmal, in Momenten wie diesen, zweifele ich ernsthaft an meinem Erinnerungsvermögen. Ich könnte meine selbstgebaute Camera Obscura aus Pappe verwetten, dass ich Anfang der Neunziger die Richard-Avedon-Retrospektive »Evidence 1944 – 1994« in Köln gesehen habe. Und falls es sich bei meinem Blick auf circa einen Kilogramm Altpapier nicht um eine Luftspiegelung handelt, liegt gerade der dazugehörige Katalog in einer Erstausgabe auf meinem Schreibtisch.
Warum ich zweifele? In einem Leporello des Martin-Gropius-Bau Berlin ist im ersten Satz zu lesen: »Die Ausstellung Richard Avedon – Fotografien 1948 – 2004 ist die erste Retrospektive des amerikanischen Starfotografen in Deutschland«. In diesem Fall wäre es zu überprüfen, ob Köln tatsächlich zu Deutschland gehört. Falls nein, hätten die Berliner selbstverständlich recht mit ihrer Aussage. Falls Köln jedoch eine deutsche Stadt ist, wäre die Aussage der Berliner eine Fehlinformation.
Mal im Ernst: Warum müssen Mitteilungen dieser Art den Geruch des Guinness-Buch der Rekorde tragen? Halten die PR-Spezialisten die Besucher für so einfältig, dass sie ihnen Richard Avedon auf so eine plumpe Weise verkaufen müssen? Berlin, das ist bekannt, befindet sich im kulturellen Höhenrausch. Da jagt ein Superlativ den nächsten. Da könnten die Berliner vor Entzücken über Jeff Koons Monsterpudel aus lackiertem Edelstahl glatt die Besinnung verlieren. Avedon, wer ist das denn?
19. Oktober 2008 – 19. Januar 2009
Richard Avedon
Fotografien 1994 – 2004
Martin-Gropius-Bau Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Katalog:
Richard Avedon. Photographs
1946 – 2004, Hatje Cantz Verlag 2007
englisch, ca. 200 Seiten, 49.80 €