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17. Juli 2008 | Von admin | Kategorie: FotografieJOCELYN BAIN HOGG: The Firm, Westzone 2001, Trolley 2003
Wenn einem Mitte Juli die herbstlichen Temperaturen die gute Laune verderben, wäre eine Ladung EPO, die im Knochenmark die Produktion roter Blutkörperchen erhöht und die Sauerstoffzufuhr zur Arbeitsmuskulatur beschleunigt, genau die richtige Stimulation. Eine gut funktionierende Blutbildung brauchen auch die Opfer von THE FIRM, Bezeichnung für die Upperclass der organisierten Kriminellen in England. Wie und mit welchen Mitteln sich die meist glatzköpfigen in grimmigen Posen verharrenden und vom Alter angefetteten Herren durchgeboxt haben ist auf dem Deckblatt von THE FIRM unzweifelhaft dargestellt: mit goldglänzendem Schlagring. Das Instrument, das bei Straßenkämpfen in den Sechzigern und Siebzigern als Inbegriff für Brutalität stand, ziert das in düsterem Schwarz und die Botschaft „Ich bin böse“ verbreitende Buch des britischen Fotografen Jocelyn Bain Hogg, das gleich nach Erscheinen im Jahr 2001 als Geheimtipp gehandelt wurde und unmittelbar darauf als vergriffen galt.
Das düstere Innenleben des Buches zeigt Geprotze, verwelktes Machismo, billige Frauen, die nach teurem Parfüm riechen, zu dick aufgetragene Ehrbekundungen an Grabstätten, schummerige Edelspelunken, in denen sich THE FIRM eingerichtet hat. Ein schönes Familienalbum, das als investigative Arbeit daherkommt, in dem die eitlen Herren auf ihre alten Tage noch einmal Selbstzeugnis ablegen, um sich ein Denkmal zu setzen.
Verglichen wird Jocelyn Bain Hoggs Publikation zumindest ansatzweise mit Bruce Gildens Reportage über die japanische Mafia YAKUZA. Doch bei allem Respekt vor beider Arbeit sind die wahren Mafiosi tagtäglich in der Tagespresse zu besichtigen: Sie tragen feines Beinkleid für ihre rhetorischen Gefechte, haben meist exzellente Biographien und den dazugehörigen Leumund - ihr goldener Schlagring? Der Mont-Blanc-Füller mit goldener Schreibfeder.