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RUHRBLICKE - KurtSchrage

RUHRBLICKE

5. Mai 2010 | Von admin | Kategorie: Fotografie

»Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.« Man wünscht sich, Karl Kraus würde den Sargdeckel aufklappen, um seinen Spott über den »neuen« Fundamentalismus in der deutschen »Dokumentarfotografie« zu kippen. 20 Jahre Neuronenschwund zeigen Wirkung: die Wiederkehr des Gleichen in wechselnder Maskerade. Statt beherzt die Reset-Taste für einen Neuanfang zu drücken gehen die Claquere selbstgewiss in Stellung, beanspruchen weiterhin für sich die Deutungshoheit über die Fotografie-Grammatik, applaudieren einer klebrig mauen Bildauffassung an idealisierter Monstrosität, die den Weg der Dokumentarfotografie ins Morgen zeigen soll. Dabei hat das Morgen Mitte der Achtziger aufgehört zu existieren als die profane Realität der lackierten Illusion gewichen ist.

Im Ruhrgebiet hat das Leben aufgehört zu existieren. Geblieben sind Reste des Lebens. Bloß weg aus der Kraterlandschaft, die Kohle und Stahl hinterlassen haben. Nichts bleibt wie ist, selbst die Illusion des Nichts. Menschen? Uninteressant. Wenn sie schon als Abbilder auf monströs daherkommender Flachware auftauchen müssen, dann als anonyme, gesichtslose Masse. Das Leben wird in gescripteten Seifenopfern nachgespielt. Fotografen tun so als seien sie RTL-Regisseure, die mit gepuderten Laiendarstellern die »wahre« Wirklichkeit in kommerziell nutzbare Ware ummünzen. Inszenierung wird die Falschmünzerei vornehm genannt – und als Ikonizität beklatscht.

Mmh

Die Begeisterung für Dokumentarfotografie ist ungebrochen. Nachdem der Bildjournalismus in seinem Grab bis auf die Knochen skelletiert ist, schaufeln die begeisterten Totengräber in weißen Handschuhen bereits an der letzten Ruhestätte für die Dokumentarfotografie. 24 Jahre nach »Reste des Authentischen« im Essener Museum Folkwang zeigt sich die Resteverwertung der Dokumentarfotografie als keimende Zwiebel auf rotem Teppich. Dass eine gepellte Zwiebel vielschichtig ist, sie beim Schälen die Tränendrüsen aktiviert, »mmh«, man kann sich ja den Körpersaft mit weißen Handschuhen wegwischen. Wozu sind die aristokratischen Handkleider sonst von Nutzen?

»Mmh« ist die von Andreas Gursky patentierte Füllsentenz. Fotograf will er nicht sein. Er besteht in Düsseldorf auf eine Professur in freier Kunst, obwohl seine Zeichenkunst eher dürftig ist. In freier Kunst ist das »Mmh« Programm. Es kommt butterweich skeptisch daher, erweckt den Schein von Widerspruch – umgangssprachlich gesprochen. Das ist seit letztem Donnerstag bekannt. Das Zeit-Magazin hat den Magazintitel extra und zum ersten Mal vertikal gesetzt, um das neue Computerhandwerk des Kontrollfreaks Andreas Gursky ins Blatt zu heben. Seine neuste Dokusoap sind Google-Earth-Fotos, geklaute, aufgemotzte Satelliten-Aufnahmen von Mother Earth wie sie nur Godfather Gursky erschaffen kann. Google wird es freuen, dass ein überschätzter Fotograf sich als Wellenbrecher für Google Street Viewing in die Protestbrandung stellt. Vielleicht ist das Street Viewing ja sein nächstes großes Ding – man kann die Spannung jetzt schon kaum ertragen.

Zu Gurskys Fotos gibt es viele Meinungen. Sie lauten »aah«, toll von der Grieger-Laborantin vergrößert, schön vom Rahmenbauer gerahmt, unglaublich clever von seiner Galeristin vermarktet. Er selbst gibt vor, ihn interessiere mal zu gucken wie die Welt aussieht, wenn sie fotografiert ist. Das hat er von Gary Winogrand. Gursky will mit der Wahrnehmung spielen, auf Glatteis führen, damit das Auge ausrutscht. Umgangssprachlich will er für doof verkaufen. Was ihm trefflich gelingt. Der Kunstmarkt steht auf Dekoration, die keinem wehtut und dennoch Spektakel verspricht. Und seine von Ruhm und Weihrauch geblendeten Nachahmer legen sich ins Zeug, die Langeweile weiter zu potenzieren. Was an Hochschulen vortrefflich gelingt. Nicht umsonst steckt die deutsche Fotografie in der Talsohle der Rezession. Denn beamtete Professörchen sind froh darüber, dass ihr Pensionsanspruch sie schützt, ins Prekariat abzurutschen wie es tausende Fotografen in freier Wildbahn wahrscheinlich fürchten. Die beamteten Gralshüter der Langeweile ziehen es lieber vor, ihren Garten hinterm Haus zu bestellen, in geliehener Halb-Kunsthistorikersprache die theoriearme Fotografie weiter auszuhöhlen.

Sanaa

Beim Stichwort Sanaa wird manch einem Kulturmenschen weich ums Knie. »Aah«, Sanaa, das ist doch … Genau. Es ist die Hauptstadt des »Schurkenstaats« Jemen. Dort hin, nach Sanaa, zieht es die Folkwangschule, denn in den staubigen Mantel, den die Marketingstrategen wieder aus den Katakomben geholt haben, hüllt sich die Essener »Universität der Künste«, um sich im blassen Glanz der Vergangenheit zu sonnen.

Sanaa nennt sich auch das Architekten-Team Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa aus Tokio, das den diesjährigen Pritzker-Preis erhält. Interessant ist: deren White Cube auf der Zeche Zollverein wirkt so wunderbar deplaziert, das der Kapitalismus daran gescheitert ist. Eine private, europäische Managerschule wollte dort den Nachwuchs bilden. Sie schwächelte an Zahlungswilligen, musste schließen, und keiner wusste, wie der hallende Kubus nutzbar zu machen ist.

Wer über die jetzige Ausstellung »Ruhrblicke« im Sanaa-Gebäude berichtet, spricht vor allem über die 132 Fensteröffnungen, lobpreist die preisgekrönten Architekten aus Japan. Über die ausgestellten Fotos selbst sprechen die Journalisten wortgewandt einsilbig als wollten sie den Essener Kulturhauptstädtern, dem potenten Geldgeber der Ausstellung nicht zu fest aus die Zehen treten. Werbekunden verprellt man nicht. Und schon gar nicht die Sparkasse. Schließlich hat Kurator Thomas Weski mit Sparkassen-Geld das Beste an deutscher Fotografie in den Hohlkörper geholt: Gursky, Hilla Becher, Thomas Struth, Candida Höfer, Hans-Peter Feldmann, Jitka Hanzlova, Joachim Brohm, Laurenz Berges und andere. Mehr geht nicht.

Galionsfigur Gursky zeigt wie zu erwarten Gursky-Protz. Die Südkurve des BVB und eine schwarze Kaue in Hamm. Schweiß und Staub, clean und in Color. Womit er dem Mythos, im Ruhrgebiet wird Fußball geschwitzt, weiter Schwitzwasser abringt. Bestimmt findet sich ein BVBler aus der VIP-Lounge, den das Foto anmacht. Rendite garantiert. Und bestimmt findet ein Evonik-Vorstand, früher Ruhrkohle AG, Geschmack an Gursky Kaue, um seine Nähe zu den staubigen Muskelarbeitern zu bedeuten.

Martin Paar sagt über Hans-Peter Feldmann, dass er ihn am meisten beeinflusst hätte. Entsprechend großzügig widmet er Feldmann Platz in seiner Fotohistorie. Feldmann porträtierte für »Ruhrblicke« Stadtobere der Ruhrgebietsstädte. Die Stadtfürsten sollten sich am Lieblingsplatz positionieren: deutsch geordnet, bürgernah im feinen Zwirn, originell und zukunftsweisend. Vermutung: Feldmann hat am Geld gerochen und überraschend festgestellt, dass Geld nicht stinkt. Umgangssprachlich. Es kommt darauf an, wie man seine Ideen verkauft - und an wen. Etwa an die Sparkassen, in denen die Stadtfürsten das Sagen haben.

Kurator Thomas Weski hält auch Joachim Brohm für einen wichtigen deutschen Fotografen. Dass Brohm als Dekan der Leipziger Schule ein Machtmensch ist, zeigt der Disput um die Nachfolge von Neo Rauch. Rauch hält nichts von der Fotografie als Kunstform. Und Brohm präferiert eine eigene Besetzungspolitik bei der Auswahl der niederrheinischen Kollegen. Bis auf ein paar Blessuren hat er den Protest schadlos überstanden. Das Tagesgeschäft kann fröhlich weitergehen.

Brohm gehört zu den Fotografen, die »viel Papier« (O-Ton Gary Winogrand) verbrauchen. Er versteht es, sein Jahrzehnte im Klimakühlschrank vergilbtes Zeug bei Steidl zu publizieren. Erst seine Diplomarbeit über den Kemnader-Stausee, und jetzt als Dreingabe seine schlichten Ohio-Beobachtungen, zu denen Thomas Weski, Professor in Leipzig, das vollmundige Vorwort beiträgt. Eine Hand wäscht die andere.

Was Brohm zur Reklame von Weskis »Ruhrblicke« als Presse-Trash-Foto anbietet, verdeutlicht einmal mehr die Aktualität des Karl-Kraus-Zitats und des an der Fotografie vorbeigegangenen Foucault-Evergreens: »Die Diskurse bilden die Gegenstände, von denen sie sprechen«; von einer grandiosen Täuschung im Spiegelkabinett.

Es ist zum Abgewöhnen.

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