PREISWERTE FOTOBÜCHER
2. März 2010 | Von admin | Kategorie: Fotografie
Sieht man sich die Ausschreibung für das Kasseler Fotobookfestival einmal genauer an, wird deutlich, dass auch in der Fotografie die gleiche Tendenz zu erkennen ist wie sie in der Disziplin Kommunikationsdesign längst gang und gäbe ist: man muss zahlen, um bei einem Wettbewerb teilnehmen zu können. Als Argument könnte man anführen, dass die Referenten und Juroren angekarrt werden müssten, dass irgendwer deren Reise-, Hotel- und Kosten für die Verpflegung übernehmen müsse. (Falls keine Sponsoren aufgetrieben werden konnten.) Nach pragmatischen Denkmustern in Geldwerten darf man jedoch ketzerisch fragen, wer bei einem Fotobookfestival als Nutznießer hervorgeht. Sind es die Bewerber um die ausgeschriebenen Preise? Die vor Ort anwesenden Verlage, Buchhändler, Druckereien? Vielleicht ist es der Veranstalter selbst, der höflich darum bittet, die eingereichten Dummys in dessen Besitz zu übergeben, um – das sagt er dann aber weniger deutlich - eine exklusive Sammlung von Fotobüchern in esoterischer Geringauflage abseits der verlegerischen Massenware aufzubauen? (Auf Wunsch werde der eingereichte Dummy selbstverständlich gegen eine Gebühr zurückgesandt.)
Auf der Internetseiten der einschlägigen Antiquariate genießen die im Selbstverlag hergestellten Fotobücher von jungen, viel versprechenden Fotografen/innen einen besonderen Stellenwert, denn die Ware ist wegen der geringen Auflage knapp, nach den Funktionsmechanismen des kapitalistischen Naturgesetzes deshalb sehr teuer. Anders gesagt: Auf dem Fotobuchmarkt entwickelt sich langsam aber sicher ein hitziges Klima, das befeuert von Martin Parr und Gerry Badger die »Investmentbanker« unter den Fotobuchsammlern auf den Plan ruft, die auf einen angemessen Profit ihres Spekulationsgeschäfts mit der Ware Fotobuch hoffen. Das klingt unpopulär, doch wer glaubt, es ginge bei einem Fotobookfestival allein um »idealistische« Kunst, um die Fotografie um der Fotografie willen, der hat sich geschnitten. Es geht um die Deutungshoheit, um das Erkennen und Bewerten neuer Strömungen, um das Ausschließen von eigenwilligen Einzelpositionen, um Bruderschaften – das veraltete Wort für Vernetzungen -, die mit fotografischer Qualität erst einmal wenig zu tun haben.
Einmal abgesehen davon, dass es sich beim Fotobookfestival in Kassel um eine einzige Marketing-Veranstaltung für die Wettbewerb zueinander stehenden Kunsthochschulen handelt, steht noch die Weisheit aus dem Wettbewerbswesen im Raum: Willst du eine Sammlung aufbauen, dann richte einen Wettbewerb aus. Wirf einen Köder der Eitelkeit ins Wasser und warte geduldig darauf, dass die nach Anerkennung gierenden Fische zuschnappen.