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MICHAEL HECKHOFF III - KurtSchrage

MICHAEL HECKHOFF III

30. November 2009 | Von admin | Kategorie: Fotografie

Gestern Morgen (29.11.2009) wurde Michael Heckhoffs »Freigang« aus der JVA Aachen beendet. In seiner Heimatstadt Mülheim konnten Polizeikräfte ihn gegen 11 Uhr festnehmen. Die Geiseln, die Heckhoff und Michalski bei ihrer Flucht in ihre Gewalt genommen hatten, blieben dem Vernehmen nach unverletzt. Laut BILD waren »über 1000 Beamte« zur Ergreifung des Ausbrecher-Duos im Einsatz. Dennoch befindet sich Michalski weiterhin auf der Flucht.

Nach »Deutschland sucht den Superstar« nobilitiert der Boulevard den nächsten Superstar. Nach welcher Richterskala misst die BILD »Deutschlands gefährlichsten Verbrecher«? Am Polizeiaufgebot? An der koexistenten Angstmache mit den Justizbehörden? Am Aufkommen der PR-Meldungen von seiten der Polizei?

Die WAZ, der schwächelnde Meinungsmonopolist im Ruhrgebiet will ebenfalls Auflage machen. Die boulevardeske Titelüberschrift »Das Revier in Angst« verdeutlicht einmal mehr, in welches Fahrwasser der WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz das Blatt lenkt.

#####

Bei meinen Recherchen zu den Hintergründen der Geiselnahme am 30. Juni 1992 in der JVA Werl führte ich mit Michael Heckhoff einige Interviews im »besonders gesicherten« Besuchsraum der JVA Bochum.

Ich sprach mit Heckhoffs Ex-Verlobten Claudia H., seinem damaligen Verteidiger Reinald Imig, dem Geisel-Opfer Sandra K., mit dem Werler Gefängnisdirektor Klaus Koepsel und einer Reihe weiterer Personen, die mir über die Hintergründe der Werler Geiselnahme Auskunft geben konnten.

Nach meiner Einschätzung scheint Heckhoffs Verurteilung für die Beteiligung an zwei Raubüberfällen im Jahr 1990 auf zwei Sparkassen-Filialen in Mülheim und Duisburg der entscheidende Beweggrund seiner späteren Gewalttaten zu sein. Bis heute bestreitet er seine Mitwirkung an den Raubüberfällen. Über den Verbleib der Gesamtbeute von 930000 D-Mark fehlt jeder Hinweis.

Nach jetzigem Stand liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass Heckhoff einem in Geldnot befindenden Vollzugsbeamten der JVA Aachen einen Teil der Raubbeute in Aussicht gestellt hat, wenn er Heckhoff bei der Flucht aus dem Gefängnis zur Hand ginge. Auf dieses Angebot war Mitte der 1990er Jahre bereits ein Beamter im Hochsicherheitstrakt der JVA Bochum hereingefallen. Heckhoff hatte dem Beamten angeblich 180000 DM in Aussicht gestellt.

INTERVIEW

»Im Knast wird alles totgeschwiegen«

Gesprächsort der jeweils auf eine Stunde begrenzten Interviewtermine war der Trennscheibenraum in der JVA Bochum. In Auszügen ist das Interview in der Nullnummer der taz-ruhr erschienen.

Herr Heckhoff, was machen Sie den ganzen Tag in der Zelle?

Ich denke an die Freiheit, wie es jeder Gefangene auch tun sollte. Wer das nicht macht, ist in meinen Augen krank.

Ihr Freiheitsdrang ist demnach ungebrochen.

Sicher kann ich den Begriff Freiheit nicht mehr richtig ausfüllen. Vieles in Freiheit macht mir angst oder ist mir fremd geworden. Aber dennoch würde ich alles dafür geben, um wieder herauszukommen. Selbst ein Leben auf der Flucht, so kurz sie auch sein mag und mit dem Wissen, dass am Ende der Tod mit einer Polizeikugel lauert, ist erträglicher als das langsame Sterben hinter Gittern. Freiheit bedeutet Leben. Das ist mein Grundsatz. Verstehen kann das wahrscheinlich nur, wer den humanen Strafvollzug erlebt, so wie ich ihn erlebe.

Was stört Sie?

Es wird gesagt, es gäbe keine Isolationshaft. Man mag über das Wort streiten. Ob ich nun sage, ich sitze in strenger Einzelhaft, das hört sich ein bisschen milder an, oder ich sage: Ich sitze in Isolationshaft. Das Wort tut mir nicht weh, es ist die Haftsituation. Dreiundzwanzig Stunden am Tag mit niemandem zu sprechen fördert die Einsamkeit, die einen auf Dauer zu ersticken droht. Ich stehe zu sehr am Abgrund als dass es für mich ein Zurück gäbe. Wenn die Justiz mir keine Hoffnung lässt, muss sie mit allem rechnen. Warum lässt sie mich nicht auf die Mauer klettern und schießt mich herunter? Mein Leben ist doch gelaufen.

Wer nichts zu verlieren hat, kann alles wagen?

Ich schulde der Justiz nichts. Doch die Justiz schuldet mir mein Leben. Ich hasse sie nicht, weil sie mich einsperrt oder mich meiner Rechte beraubt. Ich hasse sie, weil sie mich in all den Jahren zu einem in Freiheit lebensunfähigen Menschen erzogen hat. An mir kann man sehen, und da bin ich nicht stolz drauf, was der Strafvollzug in seiner schlimmsten Form aus einem Menschen machen kann. Da ich keine Zukunft mehr habe, hoffe ich auf ein kurzes Leben in Freiheit. Die Justiz sperrt mich in einen Hochsicherheitskäfig, in dem mir das Mittel der normalen Flucht genommen wurde. Wo richte ich dann meine Fluchtgedanken hin? Wenn die Zelle schon bombensicher ist, muss man auch die Zelle zunageln. Das wäre konsequent. Welche Alternative bleibt, kann sich jeder an fünf Fingern abzählen.

Ist das die allgemeine Stimmung im Knast?

Ich kenne eine Menge Knackis, die von diesem Gedanken beseelt sind. Ihnen fehlt aber der Mut. Sie haben nicht die Angst, dass bei einer Geiselnahme den Geiseln etwas passieren könnte, das interessiert kaum jemanden. Die meisten hält der Gedanke zurück, sie könnten selbst dabei draufgehen. Wer gegen die Polizei antritt, muss damit rechnen, dass sie ihm den Kopf von den Schultern schießt. Ich kann nicht sagen, die Polizei hat mich in Werl zusammengeschossen. Auf die Idee käme ich gar nicht. Ich bin hart rangegangen und habe die genauso harte Reaktion erfahren.

Ihre Geiselnahme am 30. Juni 1992 in der JVA Werl ist ein extremes Beispiel für das Scheitern eines Ausbruchsversuchs.

Zu der Geiselnahme in Werl hatten Kurt Knickmeier und ich das Recht, denn es ging um unser Leben. Doch für das, was am Ende in Werl passierte, schäme ich mich in Grund und Boden. Manchmal wache ich in der Nacht auf und höre die Schreie. Vor Gericht habe ich den Frauen gesagt: Der Wahnsinn hätte nicht passieren dürfen. Das ist meine Meinung. Kurt Knickmeier meinte zu mir im Arnsberger Gerichtssaal, ihn belaste es, dass die Geiseln vor im Sitzen. Sie sollten alle tot sein. Wenn Knickmeier zwei SEK-Beamte mit in den Tod genommen hätte, hätte ich das verstanden. Die können nichts anderes erwarten. Das gehört zu ihrem Job.

Die geschädigten Zahnarzthelferinnen baten Sie um Entschuldigung. Warum klammerten Sie die Vollzugsbeamten aus?

Den Beamten habe ich gesagt: Ihr dürft von mir keine Schuldgefühle erwarten. Dafür hat mir der Knast zuviel angetan. 1982 wurde ich bei einem Hungerstreik zwangsernährt. Damals war der Sanitäter Habermann dabei, der 1992 unsere Geisel war. Und ich muss sagen: Als er vor mir mit gefesselten Händen auf dem Boden lag und sich beschwerte, dass die Handschellen zu stramm seien, fiel mir ein, wir er 1982 in der Bunkerzelle vor mir stand und grinste. Ich hatte Plastikhandschellen um, die Hände auf dem Rücken gebunden, und ich fragte ihn, wie ich essen solle. Er sagte: Blacky, du weißt doch wie ein Hund frisst.

Wie waren die Umstände der Zwangsernährung?

Ich wog nach einem sechswöchigen Hungerstreik noch 49 Kilogramm. Man führte mich ins Lazarett und schnallte mich auf einen Tisch. Der damalige Anstaltsarzt Theobald Rieckenbrauck stach mir den Plastikschlauch durch die Nase zum Magen. Ich blutete fürchterlich, denn ich hatte mal einen Nasenbeinbruch, was ich ihm auch sagte. Rieckenbrauck pumpte mir durch den Schlauch eine Spritze mit Astronautennahrung. Man kann sich vorstellen, was geschieht, wenn man wochenlang nichts gegessen hat. Der Magen geht wie ein Ballon auseinander. Ich konnte aufstehen und steckte mir sofort den Finger in den Hals, um das Zeug wieder auszukotzen. Die Wärter standen daneben, lachten, fanden das toll. Das kann ich niemals vergessen.

Sie wollte frei oder tot sein. Jetzt sind Sie weder das eine noch das andere.

Es wäre besser gewesen, der Scharfschütze hätte mich richtig getroffen. Auf den letzten Schritten zum Fluchtauto empfand ich keine Angst. Ich hatte nur das Gefühl, wieder frei durchatmen zu können. Ich dachte: Gleich ist der Knast zu Ende.

Ein Irrtum mit Folgen.

Wie andere die Bibel lesen, blättere ich jeden Abend zwanghaft die Urteile durch. Im Namen des Volkes wird der Angeklagte Heckhoff … . In Duisburg wurde ich für zwei Raubüberfälle, die Geiselnahme auf dem Mülheimer Polizeipräsidium und wegen Waffenbesitz zu 29 Jahren verurteilt. Daraus wurden 15 Jahre plus Sicherungsverwahrung. Das frisst in einem. Doch an diesem Wort »lebenslänglich« geht man zugrunde. Um daran nicht zu zerbrechen, muss ich das Urteil annehmen und wie eine Krankheit bekämpfen. Ich hatte schon mal gesagt: Die Todesstrafe ist humaner als ein Leben hinter Gittern.

Sie behaupten, dass Sie an den Raubüberfällen in Mülheim und Duisburg unbeteiligt waren. Warum verweigern Sie die Aussage, wer die wahren Täter sind?

Für mich gibt es gewisse Regeln, an die ich mich halte. Ich denunziere niemanden. Ich zinke nicht. Die Justiz kann mir alles nehmen, aber nicht meine Selbstachtung, meinen Stolz, mein Ehrgefühl. Wenn ich nichts mehr von dem habe, bin ich einer von diesen Eierdieben, die zu Hunderten im Knast herumlaufen.

Jacques Mesrine hatte in »Der Todestrieb« geschrieben: »Gott schütze mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich fertig.« Würden Sie den Satz unterschreiben?

Ich kenne das Buch. Es ist im Knast das Buch Nummer 1. Für manche Knackis ist es so etwas wie das Evangelium. An Mesrine habe ich geschätzt, dass er ein Verbrecher mit Stolz und Ehre, unbeugsam, dazu bereit war, für sein Leben zu kämpfen. Das kann ich nachvollziehen. Ich muss gerade bleiben, eine Haltung haben. Manchmal komme ich vom Weg ab, aber ich muss ihn gehen, auch wenn er krumm ist. Beim Duisburger Gerichtstermin hätte ich die mich belastenden Personen in die Pfanne hauen können. Ich sagte zu ihnen: Ihr seid für mich der letzte Abschaum. Hätte ich vor Gericht gegen sie ausgesagt, gehörte ich dazu. Wenn zu mir jemand von der Justiz sagt: Blacky, du musst nur das und das sagen, dann kannst du sofort nach Hause gehen, sage ich Nein. Ich gehe in meine Zelle und renne mit dem Kopf gegen die Wand.

Woher kommt Ihr Hass auf die Justiz?

Der Gutachter schreibt, ich sei ein Verbrecher. Das stimmt. Was aber haben die ganzen Jahre im Knast gebracht? Furchtbaren Hass, den ich nie wieder losgeworden bin. Acht Jahre auf der Sicherheitsabteilung in Werl, davon vier Jahre in totaler Absonderung. Es ist nichts Gutes dabei herausgekommen. Mich hat die Justiz nicht brechen können, doch sie hat mir meine Menschlichkeit genommen.

Stimmt es, dass Sie zeitweise die Brote mit Finger schmieren mussten?

Vor dem Duisburger Gericht sagte ich dem Vorsitzenden Richter: Sie reden immer von Menschlichkeit. Ich schildere Ihnen wie ich meine Brote streiche – mit den Fingern. 14 Tage lang bekam ich nicht mal ein Plastikmesser von der Bochumer Anstaltsleitung genehmigt. Vor meiner Zellentür hängt eine Kette, womit man im Duisburger Hafen ein Schiff vor Anker legen kann. Wer mich wie ein Tier behandelt und schreit, ich wäre ein Unmensch, kann von mir kein Mitleid erwarten.

Genießen Sie es nicht auch, dass Sie für eine Gefahr für die Justiz sind?

Ich bin nicht nur Gewalttäter und Geiselnehmer, sondern zuallererst ein Mensch. Jeder, auch der gefährlichste Gewalttäter, stößt irgendwann an die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Welchen Tag würden Sie gerne ungeschehen machen?

Ich Schwachkopf stelle mich am 21. Februar 1991 freiwillig der Polizei. In Mülheim werde ich anständig behandelt – und anschließend? In der JVA Essen werde ich bis unters Dach mit Sicherheitsmaßnahmen zugeknallt. Hätte man zu mir gesagt: Heckhoff, du hast als Selbststeller ein positives Zeichen gesetzt, das rechnen wir dir an. Okay, einiges wäre anders gelaufen. Lässt man einem Menschen keine Chance, schließt ihn den ganzen Tag weg, nimmt man zwangläufig in Kauf, dass er seelisch und körperlich zerbricht.

Wie reagierte die Justiz?

Der Werler Polizeiinspektor Jochen Anders sagte mal zu mir: Mensch, Blacky, ich kann deinen Frust verstehen. Warum hängst du dich nicht einfach auf? Jochen, sagte ich, warum soll ich es euch so einfach machen? Ihr wollt, dass ich kaputt gehe, dann müsst ihr einkalkulieren, dass ich mit gleichen Mitteln gegen euch vorgehe.

Nach der Werler Geiselnahme hat Justizminister Rolf Krumsiek Berichte dementiert, in denen es heißt, Sie seien von Vollzugsbeamten mit »Heil, Hitler« gegrüßt worden. Welche Version stimmt?

Niemand hat in der JVA Werl ernsthafte Versuche unternommen, die Nazi-Klamotte zu verhindern. Von Wärtern und Hilfswärtern bekam ich Briefe, Parteibücher, Fahnen, Orden und dergleichen, dass meine Zelle voll damit war. In der Beziehung kam ich auch mit dem stellvertretenden Anstaltsleiter Eckard Kühn 100-prozentig klar. Als er meine Hütte sah, meinte er: Heckhoff, ich verabscheue sie abgrundtief. Es freut mich jedoch, dass sie wenigstens politisch gesittet sind.

In SS-Manier trugen Sie einen schwarzen Arbeitsanzug …

… und einen Hiltlerschnäuzer. Am 20. April hängten wir Hakenkreuzfahnen aus dem Zellenfenster und spielten das Horst-Wessel-Lied. In der Anstaltsbäckerei bestellten wir zu Hitlers Geburtstag eine Torte mit Hakenkreuz.

Wie originell!

Offiziell stellte ich einen Antrag beim Abteilungsbeamten. Ein Wärter aus der Anstaltsbäckerei kam zu mir und meinte: Hör mal, Blacky, sollen wir auf die Torte noch ein paar Kirschen legen?

Was unternahm Anstaltsleiter Klaus Koepsel gegen den Spuk?

Jahrelang kümmerte niemanden, was ich in meiner Zelle mache. Nachdem der Personalratsvorsitzende Wilfried Pastoor die Nazi-Klamotte an die große Glocke hängte, kam Koepsel in meine Zelle und sagte: Ihre Geschichtsauffassung bedrückt mich zutiefst. Deshalb werde ich alles tun, um Sie aus dem brauen Sumpf herauszuholen. Herr Koepsel, sagte ich: In meiner Zelle muss ich leben und nicht Sie.

Wurde daraufhin Ihre Zelle bereinigt?

Ein paar Versuche hat es gegeben. Sie brachten aber nicht viel. Eine Woche später hatte ich mehr Nazi-Bilder an der Wand als vorher.

Sie forderten das Strafsystem heraus …

… und es gab mir Macht. Ich beantragte einen Raum, um eine Parteisitzung abzuhalten. Koepsel reagierte erregt, dass er so etwas in seiner Anstalt verbiete. Ich sagte ihm: Chef, Türken dürfen ihre Sitzungen abhalten. Wir wollen das auch. Nach langem Hin und Her genehmigte er den Freizeitraum. Er meinte: Ich verbiete Hakenkreuzbinden und dass Sie Lieder singen und wenn doch, auf Zimmerlautstärke. Wir rollten unsere Fahnen ein und marschierten in den Freizeitraum.

War das alles?

Die Ortspresse und der Werler Stadtrat übten Kritik. Tatsächlich hat es keinen interessiert.

Gab es andere Proteste?

In JVA Werl ist der Rechtsradikalismus ausgeprägt. Viele Beamte kommen gut darauf klar. Bei den Knackis darf man sich nicht vertun. Die tragen eine rechte Tarnkappe. Man muss sich im Knast verstellen können. Die Klamotten in meiner Zelle konnten nur durch Beamte in den Knast kommen. Selbstverständlich wurde das abgestritten.

Gibt die rechtradikalen Tendenzen ausschließlich in der JVA Werl?

Rechtsradikale Beamte gibt es in allen Knästen, die ich kenne. Und das sind einige.

Nach der Geiselnahme galten Sie als Hassfigur? Wie ist Ihr Verhältnis zu Vollzugsbeamten?

Als ich von der Unfallklinik Dortmund ins Justizvollzugskrankenhaus nach Fröndenberg verlegt wurde, hatte ich kurz darauf eine Herzbeutelentzündung. Ich kam auf die Innere Abteilung zu Wolfgang Riekenbrauck, dessen Vater mich 1982 zwangsernährt hatte. Ein Beamter sagte zu mir: Dir hätte man besser die Spritze gegeben. Riekenbrauck hörte das. Erzürnt sagte er zu dem Wärter: Wir sind in einem Krankenhaus. Die Zeiten, dass Leute tot gespritzt wurden sind Gott sei dank vorbei. Hier liegt ein Patient. Was der gemacht hat, darüber urteilt das Recht. Herr Heckhoff, sagte Rieckenbrauck zu mir: Sie bekommen die gleiche medizinische Versorgung wie jeder andere Gefangene. Haben Sie Klagen, wenden Sie sich an mich.

Sind Sie dem Beamten noch einmal begegnet?

Monate später sah ich ihn hier in Bochum wieder. Er hatte Pfortendienst und wollte mir bei meiner Ankunft die Hand geben. Ich sagte ihm: Du wagst es, mir die Hand hinzuhalten? Sag’ mir ins Gesicht, dass man mich auf die Müllhalde fahren sollte.

Warum keine Beschwerde bei der Anstaltleitung?

Eine Zeitlang glaubte ich, ich müsste Anstaltsleiter Henning Köster klar machen, was in mir vorgeht. Es ist zwecklos. Er weiß es. Ich rede gegen tote Wände. Der Anstaltsleiter macht ja nicht die Tür auf, wenn es knallt. Das müssen andere ausbaden. Deswegen kann er auch locker sagen: macht ihn ein. Der ist sowieso tot. Zur Freistunde hat man mich in die dunkelste Hofecke verbannt, wo ich mit vier Beamten spazieren gehen muss. Knackis, die mich grüßen, kriegen eine Anzeige. Hier ist an allen Ecken Bambule.

Was meinen Sie mit Bambule?

Kaum ein Tag vergeht, ohne den Schlachtruf über Hausanlage zu hören: Alle Gefangenen von den Fluren, Beamte zur Abteilung soundso. Im Haus weiß jeder, ein Knacki wird nach Art des Hauses in die Bunkerzelle geprügelt. Hier in Bochum ist man sehr stolz auf das Rollkommando.

Kam das Rollkommando auch zu Ihnen?

Ich schildere mal einen Vorfall. Ich drückte Licht, weil ich Herzschmerzen hatte. Nach über einer Stunde kamen drei Beamte in meine Zelle. Ich wollte gerade erklären, worum es geht, da drückten mich zwei Beamte gegen die Wand. Der dritte drückte mir von hinten die Waffe an den Kopf. Sein ungefährer Wortlaut: Für einen wie dich gibt es nur ein Herzmedikament. Und das kommt hier raus. Gemeint war die Waffe. Ich zitterte vor Wut, dass ich mich nicht wehren konnte.

Gibt es Beweise?

Der Wortführer mit der Waffe ist bekannt. Er hat einige Knackis in der Bunkerzelle durchgeprügelt. Allerdings nur, wenn die Knackis gefesselt waren. Beweise? Wie sollte es die geben? Im Knast wird doch alles totgeschwiegen.

4 Kommentare
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  1. Danke für Ihre bisherige journalistische Zusammenfassung zu Michael Heckhoff, ein echter Lichtblick in der Medieneinfalt!
    Ihre Theorie, dass das eigentliche Motiv für seinen Ausbruch nicht das freie (Über-)Leben draußen im Staat, sondern ein verzweifeltes Aufbäumen gegen die unmenschlichen Bedingungen des Justizvollzugs gewesen sein könnte, erhärtet sich durch die von ihm geschilderten Umstände seiner Festnahme (Glaubwürdigkeit des “Bild”-Berichts vorausgesetzt):
    “Auf einmal kam so ein junger Bursche vorbei. Als der vorbei war, hörten wir seinen Funk und sahen seine Pistole. Da wusste wir, dass er ein Bulle ist. Der Paul ist los. Aber ich bin da ausgerutscht und irgendwo hängengeblieben. Ich hab Paul gesagt, dass er abhauen soll. Das hat er auch gemacht. Ich hab dann den Polizisten angesprochen. Der hat sofort sein Gewehr gezogen und auf mich gezielt. Dann musste ich mich auf die Straße legen und wurde verhaftet.“ (bild.de, 1.12.)
    Die Unerträglichkeit der Lebens- und Leidensgeschichte von Michael Heckhoff bleibt weiterhin bestehen. Der bestmögliche aller Ausgänge wäre nun ein sachliches Interesse der Öffentlichkeit dafür, wie man es mit mehreren Jugendstrafen, zwei Indizien-Urteilen und 25 Jahren Re-Sozialisierung zum Heldenruhm des “gefährlichsten Schwerverbrechers von Deutschland” bringen kann. Doch dazu wäre eine offene Gesellschaft nötig, die bereit ist, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrem Strafsystem anzuerkennen und zu ändern. Das ist von einer Nation der Blockwarte wohl vorläufig nicht zu erwarten.

  2. Ich finde Michael Heckhoff einen interessanten Menschen. Vom sehen kenne ich ihn auch da ich selber seit über 40 Jahren in MH lebe. Ich kann es schon verstehen das er versucht auszubrechen. Denn ich bin der Meinung auch wenn jemand ein Schwerverbrecher ist hat er trotzdem ein Recht wie ein Mensch behandelt zu werden.

  3. In den JVA’s Deutschlands wird jeder Gefangene menschlich behandelt auch dann wenn er sich nicht menschlich benimmt. Was gibt es eigentlich schlimmeres und unmenschlicheres als Menschen mit Benzin zu übergießen und anzuzünden, wie bei der Geiselnahme in der JVA Werl duch H. und K. geschehen?
    Der obige Kommentar beruht auf Aussagen eines Menschen, der m. E. sich in keinster Weise an Gesetz und Ordnung halten will. Das nur zur Glaubwürdigkeit dieser Aussagen. Da redet sich jemand seine Welt schön um ein reines Gewissen zu bekommen. Das ist zumindest mein Eindruck.
    Enrico

  4. Leider werden nicht alle menschlich in deutschen JvA’s behandelt !
    Ich kann Heckhoff nur zu gut verstehen.
    Ich war selber leider für 6,5 Jahre in einigen deutschen JVA’s.
    WEerl und Bochum kenne ich auch nur zu gut und gerade dort trifft wirklich vieles zu was beschrieben wurde.
    Mir wurde mein TV absichtlich auf den Boden geworfen damit ich nicht mehr gucken kann.
    Außerdem wurde ich mehrmals in fremde Zellen verlegt, ohne Grund, es waren Einzelzellen !!!
    Wenn man dann schon fast am Ende ist weil einem alles platt gemacht wird und man behandelt wird wie ein Tier weiß man oft nicht was man tun soll.-
    Ich verstehe Heckhoff und auch das er kein Mitleid hat.
    Irgendwann sieht man nur noch was einem angetan wird und sieht nicht mehr was man selber gatan hat.
    Außerdem kommt soviel Hass in einem hoch das auchn ich durchaus zu einem Mord fähig gewesen wäre.
    Ich hatte eine Zeitstrafe und somit war klar das ich nach ein paar Jahren rauskomme.
    Wäre das nicht so hätte ich mit Sicherheit etwas getan um eine Perspektieve zu haben.
    Im Knast hat man keine, als LL schon garnicht !!!
    Zum, Glück habe ich es mitlerweile geschafft ohne Gram zu leben und keien Hass mehr in mir zu haben.
    Seit 06 bin ich entlassen und es dauert bis heute das zu verarbeiten was die Beamten für einen Psychterror mit mir machten !!!
    Man fühlt sich hilflos und verzweifelt.
    Niemand glaubt oder hilft einem !!!
    Das Schlimmste ist, du wirst nach Jahren entlassen und bekommst dann einfach deine paar Klamotten und raus aus dem Tor, das war’s dann.
    Sie zu heißt es dann !!!
    Heute bin ich selbständig und habe mein Leben wieder zurück, aber nicht mit unterstützung der Justiz !!!
    Wenn ich von nichts mehr eine Ahnung habe, draußen, was soll ichg dann plötzlich in Freiheit tun ???
    Da muß unser System noch viel überarbeitet werden.
    Ich bin leider eine Ausnahme !!!!
    In deutschen Knästen passiert mehr Unheil als ihr glaubt !!!!

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