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TOM KUMMER - KurtSchrage

TOM KUMMER

9. September 2009 | Von admin | Kategorie: Fotografie

Es passiert mir selten, dass ich ein Buch erst wieder zur Seite lege, bis ich auch die letzte Zeile gelesen habe. Ich sauge es in mich hinein. Ich werde zu einem Darsteller des Textes. Ich möchte mich beim Lesen selbst überholen, bis mich das vorgelegte Tempo in einen entspannten Zustand versetzt, den ich an einem der viel zu seltenen Tage auf dem Rennrad spüre, wenn mein Raumgleiter von allein über den Asphalt schwebt und ich zufälligerweise der einzige Passagier bin. Ich befinde mich im Schwebezustand, ich beame mich weg, dass ich die vorbeifahrenden Autos kaum noch wahrnehme. Sie sind mir egal. Es ist mir egal, wie asozial ich mich auf dem Rad bewege. Entspannt liege ich nach vorn gebeugt im Krummlenker. In Demutshaltung ist der Atem kontrolliert. Die Beine bewegen sich von allein. Ich setze einen Blick auf, der mein Gesichtsfeld einengt und mich von meiner direkten Umgebung loslöst.

Nein, ich spinne nicht. Ich nehme keine Drogen, bis auf die Lösungsmittel der Anstreicherfarbe in meiner Wohnung, die langsam durch die Nase in mein Hirn kriechen, geht es mir normal. Ich versuche einen Stil zu imitieren, den ich gar nicht imitieren kann. Es ist der Stil von Tom Kummer, des hochbegabten Fälschers, genialen Hochstaplers, des Grenzgängers, für den die Realität eine einzige große Show ist. Dafür liebe ich den Schreibstil des Mannes, dem der Journalismus in den Achtzigern und bis Ende der Neunziger einige Sternstunden verdankt. Und der für seine Bravourstücke von den gleichen Leuten abgestraft wurde, die ihm seine Promi-Interviews regelrecht aus den Händen gerissen haben.

Das mich faszinierende Buch »Blow up« von Tom Kummer wird vom Verlag Blumenbar als Beichte verkauft. Im Beichtstuhl der Öffentlichkeit erzählt er von seiner verwirrenden Genialität. Er hat sich auf dem Höhepunkt der postmodernen Popkultur erlaubt, seine Phantasie zu gebrauchen und die Schriften seiner französischen Helden zu wörtlich zu nehmen. Auf solch ein Vergehen gegen die guten Sitten des Journalismus steht die Todesstrafe. Wer wissentlich den heiligen journalistischen Ernst unterwandert, ihn vor aller Augen der Lächerlichkeit preisgibt, der kriegt kein Bein mehr auf die Erde. Der wird am höchsten Baum des Landes aufgeknüpft und darf dort so lange zappeln, bis ihm die Luft ausgeht.

Sein Delikt ist delikat. Am Mischpult seines Küchentischs in Koreatown von L.A. bastelte er am hohlen Sound der Junk-Aussagen von Hollywood-Stars. Er pimpte ihren Wortschrott. Er lackierte die Texte auf Hochglanz, montierte ihren Wörtern glitzernde Alufelgen, verschraubte im Innenraum ganze Batterien an Monitoren. Aus dem Wortschrott formte er schnell geschnittene Phantasie-Interviews, die im langweilig ausgewogenen Schwarz-Grau der Bleiwüsten eine Parallelwelt im Spiegeluniversum der 4. Macht darstellten.

Den Merksatz von Roland Barthes, dass es subversiver sei, die Codes zu verändern, statt sie zu zerstören, hat Tom Kummer für bare Münze genommen. Dass nur Künstler so arbeiten dürfen, denen Feuilletonisten dann wortgewandt erklären, was sie gedacht haben als sie dachten zu denken, darum hat sich Tom Kummer nie geschert. Er pendelte virtuos zwischen Realität und Simulation. Am seinem Küchentisch in Koreatown war er Interviewer und Interviewter in einer Person. Vielleicht ist er deshalb einer der wenigen Journalisten, der Roland Barthes Leitfaden der Guerillataktik angewandt hat. Sein Mehrwissen, Anderswissen, sein Durchblick durch die hohle Fassade der Unterhaltungsindustrie ist ihm zum Verhängnis geworden.

Leider sind mir seine Storys abhanden gekommen. Die TEMPO-Ausgaben musste ich aus Platzmangel dem Altpapier zuführen. Einzig die Belegexemplare sind mir erhalten geblieben, die seit Jahren auf dem Dachboden des Vergessens vom Licht gefressen werden. Falls ich mal darin blättere, was eher selten vorkommt, muss ich an meine Begegnung mit TEMPO-Chefredakteur Markus Peichl zurückdenken, der mich nach Hamburg zitierte, um meine Geschichte über einen Zuhälter-Rockerclub ins Blatt zu heben.

Der Titel erschien zur gleichen Zeit, als der STERN eine Exklusivgeschichte über den St-Pauli-Killer mit gekauften Fotos aus dessen Privatalbum illustrierte. Meine Rockergeschichte basierte in gleicher Weise auf Fotoalben. Der Rockerchef stellte sie mir zur freien Verfügung. Sie waren im Pappkarton auf einem Schrottplatz gelagert. 17 von aristokratischen Lilien gezierte Fotoalben, in denen er die fotografischen Dokumente aus 17 Jahre Zuhältersein sammelte.

Die ausgewählten Fotos steckte ich zusammen mit einem zugegeben schrägen auf einer Reiseschreibmaschine gehackten Text in einen Briefumschlag. Nach zwei Tagen der Ungeduld erlaubte ich mir in der TEMPO-Bildredaktion anzurufen, ob meine Sendung angekommen sei. Auf die Frage der Bildredakteurin, um welches Material es sich denn handele, sagte ich ihr, es seien Fotos aus dem Fotoalbum eines Rockerchefs. Woraufhin sie mich anblaffte, ich müsse doch wissen, dass man bei TEMPO allergrößten wert auf höchste Fotoqualität lege. Und genau deshalb, so meine Antwort, habe ich das Material ja an TEMPO geschickt. Pause. Das Gespräch war beendet. Kurz darauf rief mich Markus Peichl an. Ich solle sofort nach Hamburg kommen.

Natürlich möchte ich mich jetzt etwas interessant machen. Erst viel später begriff ich, dass der mir von Markus Peichl vertrauensvoll zur Seite gestellte Co-Autor Helge Timmerberg eine große Nummer im deutschen Gonzo-Journalismus ist. Er, ein durchgeknallt genial schreibender Indien-Freak, verpasste meiner Geschichte den typischen Hunter S. Thompson-TEMPO-Stil, der mir nach Erscheinen der Ausgabe allerdings einen Höllenärger einbrachte. Manche Rocker hatten wenig Sinn für Ironie. Bei meinen Erklärungsversuchen hoffte ich, dass es mir nicht genauso ergehen würde wie Hunter S. Thompson nach Erscheinen seines Buches über die Hells Angels - sie hatten ihn übel zugerichtet. Die schützende Hand des Rockerchefs verhinderte meinen GAU. In mir hatte er seinen Pressesprecher gesehen. Er fütterte mich mit Stoff. Warum er das tat, ist mir bis heute unklar.

Zuvor hatte ich in der letzten GUCKLOCH-Ausgabe, dem Vorläufer von PRINZ, über seine römischen Kampfhunde der Marke Mastino Neapolitano berichtet. Die mächtigen Hunde hielt er direkt neben seinem Privatpuff in einem Löwenkäfig. Wenn ein Gast im Laden austickte, ließ er die sabbernden Mastinos mal nach dem Rechten sehen. Der Anblick der Hunde reichte offenbar aus, um wieder Ruhe in den Laden zu bringen. Auf die Idee, im Ruhrgebiet nach Haltern von Mastinos zu recherchieren, hatte mich Tom Kummers Reportage über Hundekämpfe gebracht.

Beim Lesen seines Buches sind mir einige Zusammenhänge klarer geworden, von denen ich keine blasse Ahnung hatte. Wer bei TEMPO an welchen Strippen zog, wer wie ins Blatt rotzen durfte. Der rotzige Stil war schick, anders, dekadent, provokant, narzisstisch, schließlich galt es, den Journalismus neu zu erfinden. Unter dem lief gar nichts.

Für TEMPO sollte ich in der Mülltonne von Heino wühlen. Am Harvestehuder Weg in Hamburg fand man es sehr originell, eine probate Polizeimethode anzuwenden. Ich sollte die Mülltüten von Heino abgreifen und nach Hamburg schicken, damit sie im feinsten Studiolicht eines gerade angesagten Hamburger Fotografen abgelichtet werden können. Negativ. Ich weigerte mich den Auftrag anzunehmen.

Ein anderer TEMPO-Auftrag ging derbe in die Hose. Ich sollte nach einer Demonstration von Autonomen in Hamburg in den besetzten Häusern der Hafenstraße fotografieren. Dass mir dort eine Lektion erteilt wurde, die sich noch heute in meinem Gesicht abzeichnet, gehört in die Gedächtnisabteilung der verdrängten Erlebnisse. Heldenhaft war daran gar nichts. Mir wurde von fünf Autonomen die Fresse poliert. Ein knurriger Schäferhund hielt mich die ganze Zeit über in Schach. Mit jedem Schlag ins Gesicht wurde ich der naiven Vorstellung beraubt, dass die wahren politisch Korrekten ihr Gesicht hinter einer schwarzen Kapuze verstecken. Ich musste mich jahrelang geirrt haben.

Als Tom Kummer für den Zungenbrecher Süddeutsche Zeitung Magazin arbeitete, waren inmitten der Neunziger die Achtziger auf ihrem Höhepunkt. 16 Jahre Helmut Kohl zeigten ihre Wirkung. Das von Reagan und Thatcher verbreitete Gift des Neoliberalismus hatte längst die Köpfe verseucht. Kummer nennt das MEHR. Noch MEHR. Und er bediente das verlangte MEHR, das stärkste von Menschen entdeckte Gift neben dem Neoliberalismus. Wer MEHR will, hasst die Langweile, will noch MEHR NEUES.

Die Fotografie, die eineiige Zwillingsschwester des journalistischen Textes, hatte längst eine andere Färbung erhalten. Die Gurskys, Martin Paar, Jürgen Teller, Tillmans, Terry Richardson erfanden in ihren Sektoren den Trash. Dokumentarische Qualität, der sich Agenturen wie Magnum, VII oder Gamma verpflichtet sehen, Modefotografie wie die von Avedon, Penn oder Outerbridge – das war gestern. Warum der so genannte Qualitätsjournalismus sich an das Gestrige klammert, schweres Geschütz zur juristischen Verteidigung des Feldherrenhügels auffährt, verstehen nur die Feldherren selbst. Unter ihrem Hügel buddeln Blogger längst ihre Kriechgänge.

Für die Blogger hat Tom Kummer am großen Schaufelrad gedreht. Manchmal schoss er durch die Decke, um zu gucken, was passiert. Er buddelte und buddelte sich durch den Feldherrenhügel, drehte und drehte das große Schaufelrad, aber der Einsturz wollte sich nicht vollziehen. Seltsamerweise bekam er Applaus. Und der machte ihn leichtsinnig. An seinem Küchentisch in Koreatown von L.A. spielte er mit einer selbstgebauten Bombe. Er wollte sich als Selbstmordattentäter in die Geschichte des Journalismus sprengen und den Feldherrenhügel des Qualitätsjournalismus gleich mit dazu. Was er bei seiner Suche nach dem MEHR vergessen hatte, er war schon in zu einem Fixstern des Journalismus mutiert, ohne es tatsächlich zu merken.

Welche Technik Tom Kummer bei seinen legendären Promi-Interviews anwendete, schildert er in seinem Buch »Blow up«. Auf das fiktive Gespräch mit Charles Bronson, das in zwanzig Länder verkauft wurde, zog er ein Buch aus seiner Bücherwand. Im konkreten Fall: Das Innenleben von exotischen Pflanzen. O-Ton Kummer: »Das Buch werfe ich dann einfach vom Tisch der Träume an die gegenüberliegende Wand, und ganz nach dem Zufallsprinzip soll es dann auf irgendeiner Seite landen. Die magische Technik empfehle ich allen Hollywood-Reportern in Not. So wurde das Interview mit Charles Bronson um die Kraft der smarten Pflanzen aufgebaut. Und Bronson, der große Death-Wish-Action-Kinostar der siebziger Jahre, wurde dadurch zu einem Experten, der in den Pflanzen sein Seelenheil fand.«

Ich schwebe über den Asphalt, bis ich den seltsamen Eindruck gewinne, ich rutsche über Seife. Ein Knall reißt mich aus meinen »Flow«. Das Rennrad entgleitet mir. Ich gerate ins Straucheln, endklammere mich im Fallen aus den Klickpedalen, nehme Bodenkontakt zum Asphalt auf. Das wars. Der unkaputtbare CANNONDALE-Rahmen, auf den ich »lebenslange« Garantie habe, ist gebrochen.

2 Kommentare
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  1. ich bin der meinung, dasss der artikel mich maßlos überfordert!!
    lg heiden(mein früherer name, statt haug)

  2. Grosse Kino der Artikel. Das Buch ist quasi schon gekauft.

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